Obbe Tiddens & Roos Beute

WANDERFARBEN
8. November - 20. Dezember 2014


WANDERFARBEN

die Ausstellung zur Reise

 

Ausstellungseröffnung//  Samstag/ 8. November 2014/ 19 Uhr

Ausstellungsdauer//   8. November – 20. Dezember 2014

 

Das ausgiebige Reisen ist seit jeher Quell künstlerischer Inspiration. Im 18. Jahrhundert etwa zählte die Grand Tour die Bildungsreise zu den Kulturgütern Mitteleuropas und des Heiligen Landes – zur guten Erziehung und Ausbildung, nicht nur von Künstlern, sondern vom gebildeten jungen Mann an sich. Den Künstlern eröffneten sich auf ihren Wegen neue, meist nur über Reproduktionen bekannte Bildwelten, die sie selbst wiederum in ihren Darstellungen festhielten. Die Zeichnung stellte dafür das bevorzugte Medium dar. Die gewonnenen Eindrücke ließen sich mit Bleistift, Tusche oder Aquarell rasch und unmittelbar ins Bild bannen.

Roos Beute und Obbe Tiddens schließen mit ihren Wanderfarben an die Tradition der künstlerischen Reiselust an und zugleich bestreiten sie ihre Tour ganz anders, auf sehr eigene und zeitgemäße Weise. Sie reisten 2014 als Ehe- und Künstlerpaar zusammen mit ihren beiden Töchtern für 5 Monate in einem Kleinbus von den Niederlanden durch das United Kingdom, Frankreich, Spanien und Portugal. Im Fokus stand dabei neben dem Kennenlernen fremder Kulturen und Menschen die Erfahrung als reisende Familie. Die in diesen Monaten gewonnene Freiheit und Freizeit wollten Roos wie Obbe für ihre künstlerische Arbeit nutzen. Die Tage wurden gemeinsam verbracht und damit auch die Erlebnisse und künstlerischen Ergebnisse geteilt. Diese intensive Auseinandersetzung als Künstlerpaar setzte bei beiden einen regen Schaffensprozess in Gang, der in neuen Werkserien resultierte.

Die Ausstellung Wanderfarben stellt nicht nur einige, auf der Reise entstandene Arbeiten vor, sondern will in ihrer Gesamtkonzeption auch die Erfahrung von Gemeinsamkeit und Diskrepanz, von Verbundenheit und Individualität, von Bekanntem und Überraschendem veranschaulichen. Hier wird eine Art Reisetagebuch in unterschiedlichen Medien collagiert. Da sind die installativen, in situ Arbeiten, die auf formaler wie emotionaler Ebene als Bindeglied fungieren. Als Gemeinschaftswerke der beiden Künstler thematisieren sie die Eigenheiten eines jeden Charakters mit Hilfe von Fundstücken, eingebettet in die Symbolik von Licht & Dunkelheit, die Roos und Obbe auf ihrer Reise stetig beschäftigte.

Licht und Farbe sind tragende Aspekte in der filmischen Reisedokumentation, die assoziativ Momentaufnahmen der Reise zusammenfügt und im resümierenden Rückblick entstanden ist. Allerdings ist sie nicht autobiographischer Natur, sondern ging aus dem Blick von Außen auf die reisende Familie hervor. Zwei Teams der portugiesischen Filmgruppe Videoproduzente begleitete die Reisenden, auch während des Ausstellungsaufbaus in Mannheim, und gibt einen ebenso privaten wie interpretierenden Einblick in deren Leben.

Fotografien von der gesamten Reise ergänzen die Ausstellung und zeigen in eher dokumentarischem Stil, wie vielseitig Landschaft, Wetter, Menschen und Lebensbedingungen auf der Reise vom Norden in den Süden Europas waren. Die Aufnahmen wurden von Videoproduzente, aber auch von Roos und Obbe gemacht. Beiden Künstlern dienen eigene Fotografien häufig als Ausgangsmaterial für ihre Zeichnungen und Gemälde, wobei sie auf der Reise die Zeichnung jeder für sich entdeckt und den Umgang mit Bleistift, Tusche und Aquarell perfektioniert haben.

Roos geht in ihren zarten Zeichnungen und Collagen dem Naturerlebnis und vor allem der Verbindung von Mensch und Natur nach, die sie auf der Reise in sehr unterschiedlichen Facetten erlebte: von der überwältigenden Erhabenheit der Natur an abgelegenen, fast menschenleeren Orten über vom Menschen domestizierte, aber geschützte Gebiete bis hin zu Industrie- und Stadtlandschaften, in denen die Natur nicht mehr zum Lebensalltag des Menschen gehört. Zwei Naturphänomene nutzt Roos besonders häufig, um die vielseitigen Erscheinungs- und Umgangsformen mit der Natur in ihren Bildern einzufangen: das Licht in seiner Fähigkeit Dinge zu modulieren, sie sicht- aber auch unsichtbar zu machen, ihnen Atmosphäre und Bedeutung zu verleihen; daneben sind es Bäume – Symbole für Wachstum und Verwurzelung sowie für den Lauf der Jahreszeiten und damit für die menschlichen Lebensalter. Roos’ sensible Arbeiten verdeutlichen nicht nur ihren persönlichen, behutsamen und reflektierten Umgang mit Natur und Mitmenschen, sondern sie spiegeln zugleich die Verletzlichkeit dieses aus der Balance geratenen Verhältnisses wider.

Obbe nähert sich in seinen Arbeiten ebenfalls der Naturthematik und setzte sich dafür mit der künstlerischen Tradition der Landschaftsdarstellung auseinander. Licht, Farbe, Oberfläche, Struktur – anhand dieser Parameter suchte er nach einem eigenen Stil, der sich mit den Merkmalen seiner bisherigen Bildsprache verbinden ließ. Auch seine Reisezeichnungen kennzeichnet der narrative Charakter des Dargestellten. Es sind Szenen, die ein Davor und Danach vermuten lassen und die Fantasie des Betrachters anregen. Wie seine Gemälde wirken die Zeichnungen rätselhaft und verstörend, da sie meist losgelöst aus einem erklärenden Kontext die Absurdität und Zufälligkeit des Lebens vor Augen führen. Die abwesende Anwesenheit des Menschen, die viele seiner früheren Werke kennzeichnet, stellte Obbe vor besondere Schwierigkeiten. Denn der Künstler erlebte auf der Reise Situationen, in denen die Anwesenheit der Natur frei von Menschen tatsächlich möglich schien, das Wissen um die Illusion ließ ihn jedoch auch dort die Spuren der Zivilisation finden.

In ihrer unaufdringlichen Intimität ermöglicht die Ausstellung Wanderfarben: Roos & Obbe dem Besucher die vielseitigen Erfahrungen mit der Natur, den Mitmenschen und den nächsten Vertrauten fern der Heimat nachzuempfinden. Ein Abenteuer!

Anne Vieth

 

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